Diskussion:Wirtschaftswachstum

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Inhaltsverzeichnis

Problem

Reform

Auf Basis dieser Wachstumsannahmen und des sich daraus ergebenden Konsolidierungsbedarfs werden wir ein Sparpaket umsetzen, das sowohl den Abbau von Steuersubventionen als auch weitere Einsparungen umfasst.

  • Was ist mit "dieser Wachstumsannahmen" gemeint? Wären nicht Konzepte für eine Politik nötig, die ohne bzw. mit einem sehr niedrigen Wirtschaftswachstum auskommt? Eigentlich produzieren wir doch genügend Güter, oder? --195.179.191.69 15:21, 8. Jul 2005 (CEST)
  • Ich denke, dass wir Wachstum brauchen, solange der Haushalt nicht im Gleichgewicht ist. Mit der Arbeitslosigkeit haben wir da ein akutes Problem, beim demographischen Wandel steht uns eines ins Haus. --HerrMüller 09:56, 14. Jul 2005 (CEST)

"Wachstum müssen wir alles unterordnen."

  • Die Welt (2005-07-13): "Frau Merkel, verkürzen Sie doch bitte einmal das 38seitige Regierungsprogramm der Union auf einen Satz." Angela Merkel: "Deutschland, es geht um Wachstum. Das ist der eine Satz, und ich meine Wachstum im umfassenden Sinn - Wachstum an Teilhabe und Gerechtigkeit, Wachstum an Bildung und Innovation und natürlich Wirtschaftswachstum."
  • Milbradt: "Wachstum müssen wir alles unterordnen."
  • CDU-NRW: (http://www.cdu-nrw.de/842.php, 2005-06-26):
  • [Wachstum nicht ausbremsen]: Wer unsere Gesellschaft frei, offen und solidarisch erhalten will, darf ihre Wachstumsdynamik nicht ausbremsen. Er muss für wirtschaftliche Freiheit sorgen und dafür, dass Leistung sich lohnt. Für jeden. Wir müssen es schaffen, dass Nordrhein-Westfalen bis 2012 das Wachstumsniveau der erfolgreichsten Bundesländer erreicht. Das bedeutet, dass das Wachstum im Land mindestens 0,5 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegen muss statt, wie bisher, 0,5 Prozent darunter.
  • [Mehr arbeiten]: Dafür müssen die Menschen mehr arbeiten.
  • Das 13. Schuljahr wird abgeschafft. Studien- und Ausbildungszeiten werden verkürzt. Ein Jahr früherer mittlerer Berufseintritt der jungen Generation bedeuten 1 Prozentpunkt weniger Lohnzusatzkosten. [Anmerkung: D.h. ökonomistisch orientierte Bildungspolitik.]
  • Vorruhestandsregelungen werden abgeschafft.
  • Die Wochenarbeitszeit wird ohne Lohnausgleich verlängert und flexibilisiert [Originatext: "..., aber auch flexibilisiert."].
  • Freiwillige Arbeit über das 65. Lebensjahr hinaus wird ermöglicht. [Anmerkung: Hier werden "Freiwilligkeit" steuernde Motivationstechniken zu beoachten sein. Generell: Geht es im Effekt einfach nur um die Senkung der Rente?]
  • [Arbeitsmarkt]: Der Arbeitsmarkt wird entriegelt.
  • Dazu gehört der Ausbau des Einstiegslohnsektors, den die nordrhein-westfälische CDU politisch auf den Weg gebracht hat.
  • Die Minijobs sind ein Erfolgsmodell.
  • Wir wollen die Progressionszone, in der die Arbeitnehmer ermäßigte Sozialabgaben zahlen, von jetzt 800 Euro auf 1.200 Euro ausweiten. [Anmerkung: D.h. Steuersenkung bei Niedriglöhnen. (Hier haben es die Verfasser geschafft, sogar mal eine gute Nachricht zu verwässern.)]
  • Arbeit für niedrigeren Lohn ist besser als keine Arbeit. [Anmerkung: D.h. Reduktion der Alternativen auf "Entweder weniger Lohn oder weniger Arbeit".]
  • [Soziale Sicherung]: Die sozialen Sicherungssysteme werden zukunftsfest gemacht für eine älter und kleiner werdende Gesellschaft. Das Verhältnis zwischen persönlicher Verantwortung und gesellschaftlicher Solidaritätspflicht wird zugunsten einer höheren persönlichen Verantwortlichkeit neu ausbalanciert. [Anmerkung: Aussagen zu einer Ausweitung der Einflussmöglichkeiten des Einzelnen, die mit mehr Verantwortlichkeit einher zu gehen hat, fehlen auch an dieser Stelle.] Die großen Lebensrisiken [Definition?] werden auch in Zukunft von der Solidargemeinschaft getragen. Eine soziale Vollkasko-Versicherung [gab es nie] führt aber zum Zusammenbruch des Sozialen.
  • Deshalb muss es eine neue Rentenreform geben mit weiterem Ausbau der privaten Vorsorge.
  • Die freiwillige private Altersvorsorge muss in eine Pflichtversicherung umgewandelt werden.
  • Die Pflegeversicherung muss ein privates Standbein bekommen.

Anmerkungen zum Wachstum

Wirtschaftswachstum, wie wir es heute kennen, ist eine in der Menschheitsgeschichte relativ kurzes Phänomen. Weltweite jährliche Wachstumsrate der Wirtschaft:

  • bis 1500: unter 0.08%
  • 1500-1750: 0.08%
  • 1750-1850: 0.17%
  • 1850-1950: 0.88%
  • 1950-1990: 2.20%

(C.I.Jones (2002), computed from Lucas(1998) & Maddison (1995))

Wir leben im Bereich eines kurzen Wachstumsmaximums im Ausnahmezustand und setzen das als Standard. Im Vergleich zur Menschheitsgeschichte gibt es keine lange Geschichte einer wachstumsbasierte Wirtschaft, aus der wir lernen konnten. In der Masse sind wir sind dumm geblieben.

Die Menschen wuchsen im globalen Mittelwert in recht guter Annährerung antlang einer Sättigungsfunktion, proportional zu einem verschobenen hyperbolischen Tangens (schwarz und auf 1 normiert im Bild rechts). Die erste Ableitung nach der Zeit daraus ist eine Wachstumsfunktion (blau und auf 1 normiert im Bild rechts). Die reale Entwicklung verläuft natürlich nicht extakt entlang theoretischer Kurven, aber bis heute doch ziemlich nahe daran. Das sind die Rahmenbedingungen für menschliches Zusammenleben und dessen Gestaltung (Politik) :

  1. Bis etwa Ende 1850: Schwaches Wachstum auf niedrigem Niveau in der Vergangenheit, methodenbedingte Knappheit.
  2. Von 1850 bis 2100 mit Maximum etwa heute: Hohes Wachstum in der Gegenwart, methoden- und resourcenbedingter Überfluss.
  3. (3) Ab etwa 2100: Schwaches Wachstum auf hohem Niveau in der Zukunft, resourcenbedingte (besonders hinsichtlich der Resource "Entropiesenke") Knappheit.

In diesen Perioden gibt es unterschiedliche Verhältnisse zwischen Menschen und Resourcen - und damit entsprechend angepasste unterschiedliche Systeme des Wirtschaftens. In der kommenden Sättigungsphase des Mittelwertes (bei Unterversorgung im armen Teil der Welt und Überversorgung im reichen Teil) wird der Wettbewerb zwischen den Menschen härter. In der Masse werden wir zur berechenbaren Herde. Mit hochgekrempelten Ärmeln arbeiten wir uns tiefer in die Falle hinein. Das ist gut beobachtbar.

Natürlich hat der Mensch einen gewissen Grad an freiem Willen und Gestaltungskraft und kann sich aus der Sättigungsfunktion befreien. Bisher geschah das zu einem nicht unbedeutenden Teil mit Kriegen, den bekannten Vätern eines Stagnationen ablösenden neuen Wachstums. Dagegen könnte auch eine Kanzlerin Merkel alleine wenig ausrichten. Aber unter ihren Kollegen weltweit gäbe es mit ihr wenigstens eine mit dem nötigen theoretischen Rüstzeug zum Verständnis der eigentlichen Probleme der nächsten Jahrzehnte.

Zitate

  • ... Die 'invisible hand' hatte, schon im 17. Jahrhundert, eine Fortschrittsgarantie symbolisiert. Nachdem sie zunehmend unter Arthrose zu leiden begann, übernahm das Desiderat des wirtschaftlichen Wachstums selbst diese Funktion. Man gab die Annahme einer Mengenkonstanz auf, um durch die Art der Allokation ein Mengenwachstum zu produzieren und zugleich diejenigen, die dabei zu kurz kommen, abfinden zu können. Den Politikern und der öffentlichen Meinung wird folglich suggeriert, Wirtschaftswachstum sei notwendig, sei eine Bedingung gesellschaftlicher Stabilität. - Das ist sicher eine sehr eindrucksvolle und nicht unrealistische Entparadoxierung des Systems, die mit zeitlicher Asymmetrie spekuliert. Dennoch könnte man sich, und sei es nur vorsorglich, um andere Möglichkeiten kümmern für den Fall, dass diese ausfällt wegen ihrer 'externenKosten' oder ihrer ökologischen Folgen. (Niklas Luhmann: Die Wirtschaft der Gesellschaft, 1988, ISBN 3518287524, Kapitel 3, IV.)
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